Über den Stein des Anstoßes

Wann und wo beginnt das Ungelöste, das lange Zeit später bei jeder Aktivierung als Verderben Eingang in die Erscheinung erhält? Meist sind es nur Knotenpunkte, die man zu sehen bekommt, an denen auf das bereits Verdrängte weiteres Ungelöstes gehäuft wird. Aber irgendwo hat es auch seinen Anfang, genau so, wie sich solche Fügungsstränge auch wieder abschwächen und auflösen können, wenn die Menschen ihr Leben so leben, daß die ausgeschlossene Gestalt wieder ins Leben einfließt.

Mir ist in der polnischen Geschichte ein solch markanter Punkt ins Auge gefallen, ein Stein des Anstoßes der Kugel des Verdrängten, die rollt und rollt…

In der Zeit der Adelsrepublik war es zur eklatanten Führungsschwäche und Handlungsunfähigkeit Polens gekommen. Der „Stein des Anstoßes“ hierzu war das Aussterben des Mannesstammes in der Herrscherdynastie der Jagiellonen gewesen. Erst infolge des Erlöschens dieser Dynastie wurde Polen-Litauen von der Erbmonarchie in eine Wahlmonarchie überführt.

Der letzte König der Jagiellonen war Sigismund II. August, der trotz seiner drei Ehen kinderlos blieb.

Der kinderlose König:


König Sigismund II August Polen

König Sigismund II. August von Polen, geb. 1.8.1520, Krakau – Polen, Sonne am MC

Wer jetzt an Mond-Neptun denkt, hat natürlich recht. Denn sein Horoskop zeigt die akut verschärfte Form von Mond-Neptun, nämlich Mond-Mars. Seine drei Ehen wären alleine ein Buch wert. Aber sei’s drum.

Neben dem Aspekt von Mond-Mars finden sich bestätigend für die Problematik von Mond-Neptun sowohl der Mond als auch Neptun im vierten Haus dieses Sonne-am-MC-Horoskops.

Sein persönliches Schicksal der Kinderlosigkeit zeitigt für das Großreich Polen-Litauen mit der daraus abgeleiteten Ablösung der Erbmonarchie durch eine Wahlmonarchie tiefgreifende Folgen. Diese werden im Geburtsbild ebenfalls sichtbar, und zwar in Form des Dreieraspektes von Venus-Neptun-Saturn. Im III. Teil wurden die Ausprägungen von Saturn-Neptun in der Führungsschwäche Polens und die daraus resultierende Sündenbockrolle innerhalb Europas bis in die Neuzeit beschrieben. Die Revierschwäche zeigt sich aber auch deutlich in Venus-Neptun. Unter Venus-Saturn ging er zwei seiner Ehen nur aus Pflicht ein. Er liebte diese Frauen nicht und hegte sogar eine körperliche Abneigung gegen sie. Seine Liebesheirat hingegen setzte er gegen erbitterten Widerstand durch. Die Frau seines Herzens starb jedoch ein Jahr, nachdem sie Königin geworden war, gerüchteweise am Gift der Schwiegermutter. Diese Heirat trägt charakteristische Mars-Saturn-Züge. So steht denn auch sein Ungelöstes als Pluto auf 17 Steinbock, einem GSP von Mars-Saturn.

Sonne-Jupiter steht dafür, daß sein Reich schon kein echtes Reich mehr ist. Noch zu seinen Lebzeiten wird am 1.7.1569 die Adelsrepublik mit ihrer Wahlmonarchie etabliert.

Daß dieser König wirklich zum Stein des Anstoßes für Polens Probleme wurde, ist geradezu verblüffend aktuell.

Im Ereignishoroskop des Flugzeugabsturzes fällt der Mondknoten, der mit etlichen Planeten verbunden ist, zehntelgradgenau auf König Sigismunds Pluto auf einem Mars-Saturn-Punkt. Wenn das kein Zufall ist!

Die Gründung der Adelsrepublik:

Lubliner Union SoMC

Lubliner Union, 1.7.1569, Lublin – Polen, Sonne am MC

Der König ist tot

Mit dem Unterschreiben dieser sogenannten Lubliner Union wurde die bis dahin geltende Personalunion der Staaten des Königreichs Polen und des Großfürstentums Litauen in die Realunion des neuen Einheitsstaates Polen-Litauen umgewandelt. Waren in der Polnisch-Litauischen Union die Königreiche noch selbstständig gewesen und nur durch Allianz und eine Regierung in Personalunion verbunden, so gingen sie jetzt im neuen Staat Polen-Litauen auf. Zugleich wurde die Erbmonarchie abgeschafft und die Wahlmonarchie eingeführt. Die Adelsrepublik war geboren.

Das Bemerkenswerteste an diesem Horoskop erscheint mir der Aspekt von Sonne-Mars. Die Konstellation steht nicht nur für die Aggression gegen das Leben, sondern auf einer anderen Ebene auch für die gegen den König und ist zusammen mit Mars-Pluto in den Ruf als Konstellation des Königsmordes gekommen. Beide Konstellationen gehören der Aspektfamilie Neptun-Pluto an. Sonne-Mars ist die irdische Entsprechung von Pluto-Neptun, Mars-Pluto ist die Rückseite von Sonne-Neptun. Beide stellen die Diagonalen dar, welche Pluto-Neptun mit der lebendigen und der Erscheinungswelt kurzschließen. Der Königsmord in Mars-Pluto trifft wahrscheinlich bevorzugt einen König, der im Sonne-Neptun in Wirklichkeit kein Reich mehr hat, bzw. schwach ist. Sein Tod führt zum Verlust des Königreichs für seine Erblinie. In diesem Stadium taucht dann meist die Konstellation Sonne-Mars auf. Sonne-Mars kann aber auch direkt den Königsmord darstellen. Nun wurde bei diesem staatstragenden Akt zwar kein lebendiger König ermordet, sehr wohl jedoch das Prinzip des Königtums! Es heißt nie mehr: „Der König ist tot, es lebe der König“. Nein, es heißt: „Der König ist tot, basta!“

Daß dabei die Bestimmung wirklich und wahrhaftig untergeht, davon zeugt Saturn im zwölften Haus. Das zwölfte Haus wird seinerseits von Merkur im zehnten Haus beherrscht. Als Verbundergebnis der Jungfrau zeigt Merkur im Löwen hier eine soziale Verregelung der Königswürde, die über Saturn im zwölften Haus den Untergang der Bestimmung in sich trägt.

Pluto zwingt dabei sowohl Saturn und Uranus nieder, Ursprung und Bestimmung werden verneint. Damit ist sicherlich auch ganz real der Abstammungsursprung in der Erbmonarchie gemeint. Das Ersetzen von Genen und den damit verbundenen ererbten Bildern der Erfahrung von Jahrhunderten durch politische Küngeleien von Krämerseelen kommt eben doch der Verhinderung von Bestimmung gleich.

Am 4. April 1940, zur Beginn der Massaker an Polens Offizieren und Elite steht Pluto(-Saturn-Mars-Venus) exakt auf diesem Merkur der Neuregelung der Königswürde im Sinne ihrer Abschaffung. Der kosmische Zeigefinger weist weit zurück in die Geschichte, dorthin, wo dem gewachsenen Gefüge von Königreichen eine Absage zugunsten der Krämer erteilt wurde. Da nimmt die Französische Revolution wohl etwas zu viel für sich in Anspruch. Wie man sieht, wurde der König wurde bereits deutlich früher getötet.

Um auch dafür die Bestätigung im Zeitkontext zu erhalten, soll hier ein letzter Blick auf die damals aktuelle Elementmutation geworfen werden. Es ist dies die Wassermutation von 1305 auf 0 Skorpion. Hier folgen die zuständigen Septare für die Zeit der Lubliner Union, berechnet auf die damalige Hauptstadt Krakau, im Siebener- und im Zehnerrhythmus.

Septar der Wassermutation von 1305
im Siebenerrhythmus:

GrKonjWassermut1305Krakau 38Sept7Rh

Große Konjunktion von 1305 (Wassermutation), berechnet auf Krakau
38. Septar im Siebenerrhythmus, gültig vom 25.12.1564 – 25.12.1571

Exakt zum Zeitpunkt der Lubliner Union löst sich in diesem Septar im Phänomensweg über das Zeichen Schütze der Mars aus, und zwar unter anderem als Mars-Saturn und als Mars-Pluto. Hier offenbart sich der ideelle Königsmord als Vorgehen wider die Bestimmung, das als Mars-Jupiter einen Einschnitt in das Gefüge bedeutet und mit Mars-Venus das Revier geistig in Brand setzt.

In inhaltlicher Übereinstimmung mit der ausführlich besprochenen Führungsschwäche, die mit der Vorbereitung und Etablierung der neuen Adelsrepublik einhergeht, beinhaltet dieses Septar wenig überraschend auch Neptun im zehnten Haus, der als Herrscher des zwölften Hauses den dort sichtbaren Untergang von Ursprung, sowie Verdrängtes aus dem allgemeinen Unbewußten hervorholt und maßgeblich werden läßt. Wenig überraschend greift auch damals schon die Zeit zurück auf Verdrängtes. Die Götter, bzw. die Gestalten des Himmels und der geistigen Welt hatten es wohl schon immer schwer, ungehinderten Zugang in diese Welt zu finden!

Septar der Wassermutation von 1305
im Zehnerrhythmus:

GrKonjWassermut1305Krakau 27Sept10Rh

Große Konjunktion von 1305 (Wassermutation), berechnet auf Krakau
27.Septar im Zehnerrhythmus, gültig vom 25.12.1565 – 25.12.1575

Die Gestalt des Königs als solche wird verneint

Im Zehnerseptar derselben Wassermutation löst sich zum Zeitpunkt der Lubliner Union die Sonne aus, und zwar als Sonne-Neptun-Mars-Pluto-Saturn. Die Abschaffung des Erbkönigtums wird wiederum extrem deutlich. Die Gestalt des Königs hat mit Sonne-Neptun ihr Reich verloren. Im Sonne-Mars und Mars-Pluto erscheint das Motiv des ideellen Königsmordes, zumal Sonne-Mars im fünften Haus steht und von Pluto im achten Haus aspektiert wird. Die neue Struktur besetzt Heimat und Volk und verneint die Bestimmung, wie die Opposition zu Saturn zeigt. Diese Struktur soll künftig den lebendigen König ersetzen, der im fünften Haus „getötet“ wird.

Die Finalität des Septars ist Venus-Neptun-Saturn-Pluto und weist auf die Revierschwächung durch den Bestimmungsverlust hin.

Die Bestimmung, von der hier so häufig die Rede ist, ist kein rein philosophisches Konstrukt, genauso wenig wie die Begriffe Ursprung oder Ungelöstes bzw. Verdrängtes. Es handelt sich um Wirklichkeiten bzw. deren Verhinderung. Potentiale der Schöpfung tragen den Samen für individuelle Daseinsvarianten und sehr konkrete Formen der Erscheinung bereits vor ihrer Fügung in die Zeit in sich. Menschen haben mit ihrem freien Willen die Möglichkeit, diese Gestalten des Himmels mit Geist und Seele zu rezipieren und ihr Leben davon befruchten zu lassen oder sie abzulehnen, zu verdrängen, indem sie die Gestalten aus der Gegenwart ausschließen. Diese Haltungen entscheiden darüber, ob eine Gestalt so in die Welt kommt, wie sie von der Schöpfung begonnen wurde, oder ob im Falle ihrer Ablehnung durch menschliche Hybris ein Zerrbild an Information und konkreter Erscheinung die Welt heimsucht.

In diesem Zusammenhang scheint mir die Gestalt von Königtum und König eine archetypische Grundgestalt für eine bestimmte Größe von Gemeinschaftsgefügen zu sein. Das Verlassen dieser Gestalt ist hier am Beispiel der polnischen Adelsrepublik anschaulich und in Horoskopen nachvollziehbar geworden, auch in ihren Folgen. Dieser Verlust ist in Polen sehr früh eingetreten und fand andernorts rasend Ausbreitung. Es mag neben Königtum durchaus noch andere zeitlose Gestalten von Gemeinschaftsformen geben, in denen Menschen ein gutes Dasein finden können. An dem beobachteten Entwicklungsausschnitt und dem dabei verfolgten Fügungsstrang wurde allerdings sehr deutlich, daß es nicht folgenlos bleibt, wenn die Gestalt des Königtums verdrängt wird, nur um die Bestimmung über die Form der Gemeinschaft den Krämern dieser Welt zu überlassen. Da muß es bessere Wege geben.

Der Download des Gesamtdokuments aller 4 Teile als PDF-Datei ist hier möglich: Noch ist Polen nicht verloren Teil I-IV

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